Silvester im Teehaus

Es war jener überaus strenge Winter der zur Jahreswende von 1978 zu 1979 über das gesamte Deutschland herein brach. Gemeinsam mit unseren Freunden hatten wir beschlossen, diesen Silvesterabend auf dem Land zu feiern. Wir mieteten uns das ehemalige Teehaus eines Grafen im Schlosspark zu Ahlsdorf. Meine Frau und ich trafen bereits am Vortage ein und begannen schon einmal mit den Einkäufen und sonstigen Vorbereitungen. Am Morgen des nächsten Tages, dem Silvestertag, hörten wir im Wetterbericht, dass einen Kaltfront aus dem Norden gen Deutschland im Anmarsch sein soll und mit Schneefall und niedrigen Temperaturen zu rechnen sei. Nun ja, Schneefall und niedrige Temperaturen soll es ja gelegentlich im Winter geben. Wir machten uns keine Sorgen uns so langsam trudelten unsere Freunde einer nach dem anderen ein. Nur noch Monika, eine der besten Freundinnen meiner Frau, fehlte noch.

Dann kam die Kaltfront. Es begann mit Sprühregen und es wurde spürbar kälter. Der Regen gefror auf den Straßen zu Blitzeis und ging in Schneefall über. Bald bedeckte eine dünne Schneedecke das Blitzeis – eine teuflische Kombination . Der Straßenverkehr kam zum Erliegen. Es wurde kälter und kälter und es schneite ununterbrochen. Wir waren alle noch mit Vorbereitungen für die Silvesterfeier befasst. Wir entschlossen uns, zusätzliches Brennholz für den Kamin im Teehaus einzuschlagen. Dies stellte sich später als eine überaus weise Entscheidung heraus. Gegen 18 Uhr war dann alles so weit angerichtet, dass wir unsere Feier beginnen konnten.

Wir aßen alle gemeinsam zu Abend, nur Monika fehlte noch. Sie sollte auch nicht mehr zur Feier erscheinen. Sonst war es jedoch recht gemütlich – wir ließen uns das Essen schmecken, erzählten uns gegenseitig, wie es uns seit unserem letzten Wiedersehen ergangen war und tranken den einen oder anderen leckeren Tropfen miteinander. Draußen schneite es und im Kamin prasselte das Feuer. Es mag 20 Uhr gewesen sein, als der Strom ausfiel. No Problem, wir hatten Kerzen und ein mit Batterien betriebenes Kofferradio, mit dem wir Musik machen konnten. Mit dem Stromausfall verweigerte dann aber auch die Heizungsanlage ihren Dienst. Aus dem Radio erfuhren wir, dass es zu flächendeckenden Stromausfällen gekommen war.

Ohne Heizung wurde es im Teehaus zusehends kühler. So befeuerten wir den Kamin stärker. Das half nur bedingt – die Temperatur im Raum sank weiter ab. Jetzt war uns schon direkt kalt und wir zogen Stück für Stück jedes Kleidungsstück an, das wir bei uns hatten. Wir rückten dichter an den Kamin heran und warfen noch mehr Holz in diesen hinein. Im Halbkreis saßen wir um das Feuer herum. Von hinter froren wir und von vorn erhitzte das Kaminfeuer unsere Gesichter. So muss es wohl dem Mond gehen. Auf einer Seite befeuert ihn die Sonne und auf der ihr abgewandten Seite herrschen tiefste Temperaturen.

Wir checkten dann mal die Lage. Brennholz hatten wir zum Glück noch genug und Getränke auch. Das große Glas mit den Gewürzgurken war bereits mit einer Eisschicht bedeckt. Aus dem Radio erfuhren wir, dass die Außentemperaturen bereits unter minus 20 Grad Celsius gesunken waren – und das innerhalb weniger Stunden. Wir ließen uns trotz aller Widrigkeiten die Laune nicht verderben und saßen noch lange beieinander, um schließlich lange nach Mitternacht durch den hohen frisch gefallenen Schnee zu unseren Unterkünften zu stapfen.